Carl Bechstein Campus Berlin

Wettbewerb 2023

mit Bruno Fioretti Marquez, Studio Erde, Transsolar und Kahle Acoustics

Bauherr: Arnold Kuthe Liegenschaft GmbH

Heidestraße

Die Leitidee des neuen Ensembles ist eine Sequenz von Höfen, die die Tradition der Berliner Hinterhöfe aufgreifen und die unterschiedlichen Nutzungen und Akteure des Campus in Beziehung setzen. Das Geflecht der Höfe versteht sich im übertragenen Sinn als urbaner Resonanzkörper mit charakteristischer Atmosphäre und Klang, der ganz der Pianokultur gewidmet ist.

In klarer Abgrenzung zum Straßenraum verbirgt sich hinter der geschlossenen Bebauung ein geschützter Ort der Musik, der die Stadtgesellschaft zum Entdecken des vielfältigen Angebots des Carl Bechstein Campus einlädt und neue hochwertige Aufenthaltsorte in der Europa-City bietet.

Corte della Musica

Ein straßenbegleitendes Vorderhaus bestätigt die Kontinuität des Boulevards und die Traufe der Heidestraße. Damit wird die ursprüngliche Idee des Bebauungsplans respektiert und die Präsenz des Campus ablesbar. Unterbrochen wird der Block mit einer repräsentativen und einladenden Geste eines Hofdurchgangs, der erste Blicke in die innere Welt erlaubt. Diese Geste wird zu den Bahngleisen hin untergeordnet wiederholt. Zwischen den beiden Riegeln eingesetzt und losgelöst voneinander, werden die eigenständigen Baukörper des Konzertsaals, der Akademie mit Verkauf, sowie des Bestandsgebäudes so arrangiert, dass eine Vielzahl von gut belichteten und belüfteten Höfen entsteht.

Lageplan / Dachaufsicht

Die geschlossene Bauweise schirmt die Höfe von den „Geräuschkulissen“ der Heidestraße und den Gleisanlagen ab. Im Inneren des Blocks kann sich ein neuer Klangort entfalten, der, geschützt und offen, zugleich Bühne und Hintergrund für das neue städtische und kulturelle Leben am Campus ist.

Das komplexe Programm mit seinen unterschiedlichen Funktionen wird über Höfe, Dachgärten, Ränge und Laubengänge miteinander verbunden und verwoben, wodurch es gelingt, ein einzigartiges und lebendiges Campusgefühl über alle Geschosse zu erzeugen.

Dabei gibt es keine didaktisch vorgegebene Route. Vielmehr ist eine Vielzahl von Wegen und Abkürzungen möglich, die eine angenehme Komplexität erzeugen und den Campus immer wieder aus neuen Perspektiven wahrnehmbar machen. Dabei wird über die Ausbildung von Schwellenräumen eine subtile Differenzierung der öffentlichen, halböffentlichen und privaten Räume gewährleistet.

Foyer

Die Materialität der Bechstein Höfe ist von der Berliner Tradition der Klinkerarchitektur geprägt. Glasierte Ziegel an den Straßenportalen und den Hofdurchgängen setzen besondere Akzente und verweisen auf die Öffentlichkeit des Campus. Das Klinkermauerwerk steht für Beständigkeit und unterstreicht die Werte des Traditionshauses Bechstein. Die Verwendung der Bogenform in den Öffnungen des Erdgeschosses und des ersten Obergeschosses ist eine subtile Hommage an die ikonischen Berliner S-Bahn-Bögen. Diese Bogenformen sind nicht nur architektonisch identitätsstiftend, sondern stellen auch konstruktiv materialgerechte Öffnungen im Backsteinmauerwerk dar.

großer Saal

Die neuen Freiräume des Campus bestehen aus einer Sammlung von Plätzen, Gärten, Terrassen und hängenden Vegetationselementen. Durch ihre verschiedenen Größen und Formen choreographieren sie die Innenhöfe. Wie geheime Gärten, verborgen in der architektonischen Hülle, bieten diese Räume nicht nur Flächen zum Aufenthalt und zur Besinnung, sondern dienen auch als kleine Oasen frischer Luft inmitten des städtischen Berliner Kontexts. Bewegung und Tempo werden durch die Beziehung zwischen Wasser und den biotischen und abiotischen Elementen orchestriert, die diese Räume prägen. Wasser tropft, fällt, sitzt, blitzt und sammelt sich in verschiedenen Formen, die durch Klang und Rhythmus erfahrbar sind.